Zurück zum Wegweiser
AZTRENDEFRESNLRUITSQBSROKYDA

Der Quran zeigt der Wissenschaft den Weg: Muslimische Wissenschaftler

Inhalt
  1. Einleitung
  2. Intelligentes Design, das heißt Schöpfung
  3. Die Religion spornt die Wissenschaft an
  4. Die Religion sorgt für die richtige Ausrichtung der Wissenschaft
  5. Religion und Wissenschaft stehen stets im Einklang miteinander
  6. Die wissenschaftlichen Wunder des Quran
  7. Gläubige Wissenschaftler
  8. Gläubige Wissenschaftler der Vergangenheit
  9. Weitere gläubige Wissenschaftler der Vergangenheit
  10. Gläubige Wissenschaftler unserer Zeit
  11. Muslimische Wissenschaftler
  12. Weitere gläubige Wissenschaftler unserer Zeit
  13. Fazit
  14. Anmerkungen

Wirft man einen Blick auf die Geschichte der Wissenschaft, so zeigt sich, dass die große Mehrheit der Wissenschaftler, die Entdeckungen gemacht und große Beiträge zur Entwicklung der Wissenschaft geleistet haben, einen starken Glauben an Gott besaß. Die bemerkenswertesten Beispiele dafür, dass der Glaube an Gott die Entwicklung der Wissenschaft bewirkt hat, findet man in der Geschichte des Islam. Die muslimischen Gelehrten, die mit der Moral des Islam aufwuchsen und ihr ganzes Leben und ihre wissenschaftliche Tätigkeit auf den Versen des Quran aufbauten, haben sich um die hohe Zivilisation, die heute erreicht ist, sehr große Verdienste erworben.

Mit der Ausbreitung der Moral des Islam machte die große Mehrheit der muslimischen Wissenschaftler Entdeckungen, die das Fundament der modernen Wissenschaft bilden. So sehen wir, wenn wir auf die Geschichte des Islam blicken, dass mit der Moral des Quran auch die Wissenschaft in den geografischen Raum des Nahen Ostens kam.

Die muslimischen Wissenschaftler nahmen zunächst die wissenschaftlichen und technologischen Neuerungen zur Grundlage, die im Westen in Rom und im Osten, allen voran in China, sowie in anderen Staaten zu beobachten waren, und übersetzten wichtige Quellen. Aus dieser Sammlung von Wissen entfernten sie, was in Glaubensfragen und in technischer Hinsicht falsch und unhaltbar war, und brachten es in einen Zustand, in dem es ihnen nützlich war. Nach diesen Arbeiten begannen sie, das gewonnene Wissen zu bewerten und zu kommentieren und so der Wissenschaft und Technologie zu dienen.

In der Zeit, die im 8. Jahrhundert begann und bis ins 15. Jahrhundert andauerte, erzielten die muslimischen Gelehrten auf vielen Gebieten wie den exakten Wissenschaften, der Medizin, der Astronomie, der Mathematik und der Chemie wichtige Ergebnisse und machten sich in kurzer Zeit auf dem Gebiet der Zivilisation in der Welt einen Namen. In dieser Zeit, die als „Goldenes Zeitalter des Islam“ und „Islamische Renaissance“ bezeichnet wird, leisteten die muslimischen Gelehrten mit ihren Entdeckungen auf vielen Gebieten ihren Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaft und wiesen so den Gelehrten, die nach ihnen kamen, den Weg. Howard R. Turner sagte in seinem Buch „Science in Medieval Islam“ (Wissenschaft im mittelalterlichen Islam) über diese Zeit:

„Muslimische Künstler und Wissenschaftler, Prinzen und Arbeiter schufen gemeinsam eine unvergleichliche Kultur, die die Gesellschaften auf allen Kontinenten direkt und indirekt beeinflusste.“175

Das „Bait al-Hikma (Haus der Weisheit)“ und der Einfluss der muslimischen Gelehrten auf die Weltgeschichte

Infolge ihrer Eroberungen im 7. und 8. Jahrhundert hatten die Muslime ein großes Reich errichtet, wie es bis dahin in der Welt nicht seinesgleichen gehabt hatte. Im 8. Jahrhundert verlegte der abbasidische Kalif die Hauptstadt des Reiches von Damaskus nach Bagdad und legte den Grundstein des „Bait al-Hikma“, das in der westlichen Welt als „Haus der Weisheit“ bekannt ist. Durch die Tätigkeit der muslimischen Gelehrten wurde das „Bait al-Hikma“ auf Gebieten wie Wissenschaft, Philosophie, Medizin und Bildung zu einem weltweit unvergleichlichen Wissenschaftszentrum. Viele wissenschaftliche Werke der Zivilisationen des alten Rom, Chinas, Indiens, des Irak, Ägyptens, Nordafrikas, Griechenlands und von Byzanz wurden im „Bait al-Hikma“ ins Arabische übersetzt, und die muslimischen Gelehrten wurden, indem sie das Wissen in diesen Werken weiterentwickelten, zu Begründern und Anwendern vieler Wissenschaftsgebiete unserer Zeit. In der Wissenschaftsgeschichte sind diese Jahrhunderte als „arabische Wissenschaft“ bekannt, denn in dieser Zeit galt das Arabische weltweit als Muttersprache der Wissenschaft. Darüber hinaus leisteten auch die Arbeiten auf dem Gebiet der Wissenschaft und Kunst, die muslimische Wissenschaftler im 756 in Andalusien in Südspanien gegründeten Staat der andalusischen Umayyaden durchführten, wichtige Beiträge zur Wissenschafts- und Kunstgeschichte der Welt.

Durch die Tätigkeit der muslimischen Gelehrten wurde das Bait al-Hikma zu einem internationalen Wissenschaftszentrum.
Durch die Tätigkeit der muslimischen Gelehrten wurde das Bait al-Hikma zu einem internationalen Wissenschaftszentrum.

Robert Briffault schrieb dazu in seinem Buch „The Making of Humanity“ (Die Entstehung der Menschheit):

„Was die heutige Wissenschaft der arabischen Wissenschaft verdankt, besteht nicht in erstaunlichen Entdeckungen oder revolutionären Theorien: Die Wissenschaft verdankt der arabischen Kultur weit mehr, nämlich ihre Existenz. Die Welt der Antike befand sich, so wie wir sie sehen, in einem vorwissenschaftlichen Zustand. Die Astronomie und Mathematik der Griechen waren fremde, eingeführte Wissenschaftsgebiete, die sich nie vollständig im Klima der griechischen Kultur heimisch fühlten. Die Griechen systematisierten, verallgemeinerten und brachten in die Form von Theorien, doch Begriffe wie geduldige Forschungswege, das Sammeln genauer Daten, die Aufzeichnung wissenschaftlicher Methoden, umfassende und lange Beobachtungen und experimentelle Untersuchung waren den Griechen völlig fremd ...) Als Ergebnis eines neuen Geistes der Untersuchung, neuer Forschungsmethoden, der Methoden des Experiments, der Beobachtung und der Messung sowie einer Weiterentwicklung der Mathematik in einer Form, die den Griechen unbekannt war, entstand in Europa das, was wir Wissenschaft nennen. Dieser Geist und diese Methoden wurden von den Arabern in die westliche Welt gebracht.“176

In einem anderen Teil desselben Buches brachte Briffault auch den Beitrag der islamischen Kultur für Europa so zum Ausdruck:

„Die Wissenschaft ist der bedeutendste Beitrag der arabischen Kultur zur modernen Welt, doch ihre Früchte reiften etwas langsam. Nachdem die maurische Kultur in Dunkelheit versunken war, dauerte es nicht sehr lange, bis das, was sie ins Leben gerufen hatte, sich mit aller Kraft erhob. Es war nicht die Wissenschaft, die Europa ins Leben zurückholte. Das Licht, das die islamische Kultur brachte, hat das Leben der Europäer neu erleuchtet.“177

George Sarton, der als einer der Begründer der Wissenschaftsgeschichte gilt, brachte die Verdienste der Muslime um die Wissenschaftsgeschichte mit den Worten zum Ausdruck: „Der wichtigste Erfolg des Mittelalters ist die Entstehung des experimentellen Geistes, und dies ist in Wirklichkeit bis zum 12. Jahrhundert den Muslimen zu verdanken.“178 Oliver Joseph Lodge schrieb in seinem Werk „Pioneers of Science“ (Pioniere der Wissenschaft) über die lebenswichtigen Rollen, die die Araber nach der Ausbreitung des Islam in der Wissenschaftsgeschichte übernahmen:

„Die einzige wirksame Verbindung zwischen der alten und der neuen Wissenschaft wurde von den Arabern hergestellt. Die dunklen Zeitalter erscheinen in der Wissenschaftsgeschichte Europas als absolute Leere, und über mehr als tausend Jahre gibt es nirgendwo außer in Arabien einen wirklich bedeutenden Gelehrten.“179

Einige der muslimischen Wissenschaftler, die sich im Licht des Quran der Wissenschaft zuwandten und Erfolge erzielten, die bis in unsere Zeit reichen, sind folgende:

Dschabir ibn Hayyan (721–805)

Dschabir ibn Hayyan, der in der westlichen Wissenschaftswelt „Geber“ genannt wird und einer der bekanntesten muslimischen Gelehrten ist, wird in der westlichen Wissenschaftswelt von allen als „Vater und Begründer der Chemie“ anerkannt.180 So ist auch das Wort „alchemy“, die englische Entsprechung des Wortes Chemie, als Ergebnis der Arbeiten von Dschabir ibn Hayyan aus dem arabischen Wort „al-kimiya“ entstanden.

Dschabir ibn Hayyan, bekannt als Vater der Chemie.
Dschabir ibn Hayyan, bekannt als Vater der Chemie.

Dschabir ibn Hayyan ist der Wissenschaftler, der 1000 Jahre vor dem Bau der Atombombe als Erster sagte, dass das Atom gespalten werden kann und dass dabei eine große Kraft entstehen wird. Hayyans Worte dazu lauten:

„Im ‚dschuz’ alladhi la yatadschazza‘ (dem Atom), dem kleinsten Teil der Materie, steckt viel Energie. Man kann nicht sagen, dass es unteilbar ist, wie die griechischen Gelehrten behaupten. Auch es kann gespalten werden. Und wenn es gespalten wird, entsteht eine solche Kraft (Energie), dass sie Bagdad von unterst zu oberst kehren kann. Dies ist ein Zeichen der Macht Gottes, des Erhabenen.“181

Dschabir ibn Hayyan trug dazu bei, dass die Chemie sowohl auf theoretischem als auch auf praktischem Gebiet große Fortschritte machte. Er ging als der Gelehrte in die Geschichte ein, der das erste Chemielabor der Welt gründete. Er erklärte die Synthese wichtiger chemischer Stoffe, bestimmte viele chemische Stoffe und gab ihnen die arabischen Namen, die heute verwendet werden.182 Er stellte empfindliche Messgeräte her, die in der Chemie verwendet werden, und führte chemische Verfahren wie Kristallisation, Destillation, Kalzinierung und Sublimation in die Chemie ein.183 Neben vielen Säuren wie Schwefelsäure und Salpetersäure fand er auch Natriumcarbonat und Kalium.184 Er stellte Papier her, das im Feuer nicht verbrennt, und machte viele Entdeckungen auf Gebieten wie der Aufbereitung verschiedener Metalle zur Nutzung, der Verbesserung des Stahls, dem Lackieren wasserdichter Stoffe, der Vergoldung zum Schutz vor Rost und der Gewinnung von Farben und Ölen.185 Dschabir ibn Hayyan war nicht nur in der Chemie, sondern auch auf Wissenschaftsgebieten wie Medizin, Astronomie, Logik, Philosophie, Physik und Mechanik tätig und schrieb Werke darüber. Es ist bekannt, dass Dschabir ibn Hayyan auf Wissenschaftsgebieten wie, allen voran, Chemie, sowie Medizin, Physik, Astronomie und Philosophie etwa 200 bis 500 Werke verfasste. Viele dieser Werke gingen jedoch später verloren; nur 27 davon wurden zwischen 1473 und 1710 in Nürnberg, Frankfurt und Straßburg in lateinischer und deutscher Sprache gedruckt.

Al-Chwarizmi (780–850)

Abu Abdallah Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi, einer der größten Gelehrten seiner Zeit, ist ein Mathematiker, Astronom und Geograf, der in der westlichen Wissenschaftswelt tiefe Spuren hinterlassen hat. Al-Chwarizmi verbrachte einen großen Teil seines Lebens im „Bait al-Hikma“ in Bagdad. Er war der islamische Gelehrte, der die Algebra und die Lehre vom Algorithmus begründete und diesen Wissenschaften ihre Namen gab.186 Weil al-Chwarizmis Name in Europa auf Lateinisch „Algorismi“ ausgesprochen wurde, erhielt die von ihm gefundene Methode den Namen „Algorithmus“.187 Al-Chwarizmi ist der Autor von „Kitab al-Muchtasar fi Hisab al-Dschabr wa-l-Muqabala“ („Rechnungen der Algebra und des Vergleichs“), dem ersten Werk auf dem Gebiet der Algebra. Das Werk beginnt mit diesem Satz:

„Algorismi sagt: Lob und Preis sei Gott, unserem Herrn und Beschützer.“ Al-Chwarizmi ist der Erste, der in der Wissenschaftswelt des Ostens ein Werk über die Algebra schrieb. Dieses Wissenschaftsgebiet war zuvor nur sehr wenig bearbeitet worden, und man begann, es als eine von der Geometrie verschiedene Wissenschaft zu betrachten. Die Lösung von Gleichungen ersten Grades war möglich geworden, doch die Wurzeln von Gleichungen zweiten Grades blieben noch unverständlich. Al-Chwarizmi ist mit seinem zweiten Buch „al-Dschabr wa-l-Muqabala“ der Erste, der den Lösungsweg für Gleichungen zweiten Grades systematisch aufzeigte. Al-Chwarizmi erklärte die in seinem Werk gezeigten Verfahren mit dem Talent eines Lehrers und bewies diese Regeln auf geometrischem Weg.

Abu Abdallah Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi, der mit seinen Arbeiten auf Wissenschaftsgebieten wie Astronomie, Mathematik und Geografie in der westlichen Wissenschaftswelt tiefe Spuren hinterließ.
Abu Abdallah Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi, der mit seinen Arbeiten auf Wissenschaftsgebieten wie Astronomie, Mathematik und Geografie in der westlichen Wissenschaftswelt tiefe Spuren hinterließ.

In diesem Buch, dessen Original an der Universität Oxford aufbewahrt wird, erklärte er zum ersten Mal in der Welt das Dezimalsystem und zeigte außerdem zum ersten Mal Wege, Aufgaben durch das Aufstellen von Gleichungen zu lösen. Darüber hinaus wurden in dem besagten Buch viele neue Begriffe verwendet, die zuvor unbekannt waren, wie Quadratwurzel, Einer und ungerade Zahl.188 Dieses Werk al-Chwarizmis war in der Geschichte der Mathematik der Beginn eines sehr wichtigen Fortschritts und galt über mehr als 600 Jahre als Grundlage für den Mathematikunterricht. Gelehrte wie Roger Bacon und Fibonacci studierten sein Werk mit Bewunderung und machten in ihrem Unterricht davon Gebrauch. Bis Ende der 1500er-Jahre (1598–1599) war dieses Werk al-Chwarizmis die einzige Quelle der Algebra.

Al-Chwarizmi, der neben der Mathematik in verschiedenen Sternwarten tätig war, schrieb auch Werke über Astronomie und Geografie. Er verfasste Werke über Sonnenuhren und Uhren.189 Al-Chwarizmi maß auch die Länge eines Meridiangrades der Erdkugel.

Thabit ibn Qurra (821–901)

Thabit ibn Qurra ist einer der islamischen Gelehrten, die Fachleute auf den Gebieten der Mathematik, Astronomie und Medizin waren. Er bewirkte zu seiner Zeit auf all diesen Gebieten sehr große Fortschritte und führte besonders auf dem Gebiet der Geometrie und Algebra Neuerungen ein.190 Die Beiträge Thabit ibn Qurras zur Geometrie erklärte Georges Rivoire, einer der Gelehrten, die die Zivilisationen des Ostens erforschen, mit den Worten: „Die Anwendung der Algebra auf die Geometrie verdanken wir den Muslimen. Und sie ist das Werk des im Jahr 900 verstorbenen Thabit ibn Qurra.“

Dieses handschriftliche Werk, das im Archiv der Sternwarte Kandilli aufbewahrt wird, beleuchtet die Arbeiten muslimischer Gelehrter auf dem Gebiet der Astrologie.
Dieses handschriftliche Werk, das im Archiv der Sternwarte Kandilli aufbewahrt wird, beleuchtet die Arbeiten muslimischer Gelehrter auf dem Gebiet der Astrologie.
Muslimische Gelehrte haben auf vielen Gebieten beachtliche Arbeiten geleistet.
Muslimische Gelehrte haben auf vielen Gebieten beachtliche Arbeiten geleistet.

Von Thabit ibn Qurra, der sich mit Mathematik, Astronomie, Astrologie, Medizin und Übersetzung beschäftigte, sind bekanntlich 79 Werke vorhanden. Davon betreffen 21 die Medizin, 2 die Musik, und die übrigen 25 Werke befassen sich mit Mathematik und Philosophie.

Thabit ibn Qurra entdeckte den Sinussatz und wandte ihn auf die Astronomie an. Außerdem lieferte er einen allgemeinen Beweis des Satzes des Pythagoras.191 Er ist der islamische Gelehrte, der, indem er den Erdumfang als in 360 Meridiane unterteilt annahm, die Länge des Äquators berechnete und daraus den Erdradius ermittelte.192 Thabit ibn Qurra begann, unter Nutzung des Wissens Euklids die Lösung allgemeinerer Formeln auf dem Gebiet der Algebra aufzuzeigen. Carl B. Boyer sagte in seinem Buch „A History of Mathematics“ (Eine Geschichte der Mathematik) über diesen geschickten Mathematiker:

„Das 9. Jahrhundert n. Chr. war das goldene Zeitalter der muslimischen Mathematiker. Der ersten Hälfte des Jahrhunderts drückte al-Chwarizmi, der zweiten Hälfte Thabit ibn Qurra seinen Stempel auf. Al-Chwarizmi und Euklid ähneln einander als ‚Begründer‘. Thabit ibn Qurra hingegen ist wie Pappos ein Kommentator der höheren Mathematik ...“193

Al-Farghani (9. Jahrhundert)

Er ist ein großer Gelehrter der Astronomie und Mathematik, der im neunten Jahrhundert lebte und die Schiefe der Ekliptik sowie die Tatsache entdeckte, dass sich auch die Sonne bewegt. Al-Farghani, der aus der Region Fergana in Turkestan stammte, führte auf den Gebieten der Astronomie, Mathematik, Geografie und Mechanik Untersuchungen durch, die auf Experimenten beruhten.194 Er untersuchte die Bewegungen der Himmelskörper und führte Untersuchungen durch. Er schrieb aufsehenerregende Kommentare zu den in der Astronomie anerkannten Behauptungen des Ptolemäus. Er erforschte die Größe des Universums und der Planeten und die Entfernungen zwischen ihnen. Die Berechnungen, die er infolge seiner Forschungen anstellte, wurden in der westlichen Astronomie bis Kopernikus als unveränderliche Maße anerkannt und Hunderte von Jahren lang verwendet.

Durch die Forschungen al-Farghanis wurde zum ersten Mal aufgedeckt, dass auch die Sonne eine Umlaufbahn hat und sich um ihre eigene Achse von Westen nach Osten dreht. Darüber hinaus wurde infolge seiner 41 Jahre dauernden astronomischen Forschungen auch die Entfernung zwischen den Breitenkreisen bestimmt.195 Eine der bemerkenswertesten Arbeiten al-Farghanis ist die Methode, die er entdeckte, um Sonnenfinsternisse im Voraus zu bestimmen. Al-Farghani bestimmte im Jahr 842 mit dieser Methode eine Sonnenfinsternis im Voraus.196 Das wichtigste der 6 astronomischen Werke al-Farghanis, die bis in unsere Zeit erhalten sind, ist „Dschawami ilm an-nudschum wa-l-harakat as-samawiyya“ („Grundzüge der Astronomie und der Bewegungen der Himmelskörper“). Handschriftliche Exemplare dieses astronomischen Buches über die Bewegung der Himmelskörper werden in Oxford, Paris, Kairo und in der Bibliothek der Princeton University in Amerika aufbewahrt.

Seine Arbeiten auf den Gebieten der Astronomie, Mathematik, Geografie und Mechanik führten dazu, dass sich diese Wissenschaftsgebiete entwickelten und ihre Grundlagen gestärkt wurden. In den Werken aller Gelehrten Turkestans und der europäischen Wissenschaftler jener Zeit ist der Einfluss al-Farghanis zu erkennen. Seine ins Lateinische übersetzten Werke wurden jahrhundertelang an europäischen Universitäten als Lehrbücher verwendet. Der Wert, den al-Farghani, der in der westlichen Welt unter dem Namen „Alfraganus“ bekannt ist, für den Erdumfang fand (etwa 40.253.700 Meter), spielte eine ermutigende Rolle dabei, dass Christoph Kolumbus seinen Gedanken verwirklichte, den Atlantischen Ozean zu überqueren und Indien zu erreichen. Kolumbus sagt dazu:

„Auf meinen Reisen beobachtete ich sorgfältig die Route von Lissabon nach Guinea und fand für jeden Grad den Wert des Alfraganus von 56 2/3 Meilen. Diesem Maß müssen wir vertrauen.“197

Al-Battani (859–929)

Al-Battani, ein Gelehrter der Mathematik, Astronomie und Geografie, machte vor allem auf dem Gebiet der Astronomie viele wichtige Entdeckungen. Al-Battani, der im Westen als „Albategnius“ bekannt ist, gilt selbst heute als einer der 20 berühmtesten Astronomen der Welt. In der Sternwarte, die er 877 gründete, erforschte al-Battani die Bewegungen der Sonne, des Mondes und der Planeten und fasste all diese Beobachtungen in dem astronomischen Katalog „az-Zidsch as-Sabi“ zusammen. Dieser Katalog ist das größte und umfassendste Werk, das zu diesem Thema geschrieben wurde.

Der berühmte Astronom berechnete die Schiefe der Ekliptik der Erde, die Kopernikus, der fünf Jahrhunderte nach ihm lebte, mit 23° 35′ berechnete, mit 23° und konnte den in unserer Zeit bekannten Winkelwert mit einer Abweichung von einer halben Minute bestimmen. Außerdem fand er heraus, dass ein Sonnenjahr aus 365 Tagen, 5 Stunden, 46 Minuten und 24 Sekunden besteht. Diese Entdeckung kommt den Berechnungen unserer Zeit äußerst nahe. Er entdeckte auch, dass die Länge des Sonnenapogäums seit der Entdeckung des Ptolemäus um 16° 47′ zugenommen hat. Dieses Ergebnis ist eine wichtige Entdeckung, die die Bahnbewegungen der Sonne und das Auftreten kleiner Unterschiede in der Zeitgleichung zeigt.

Al-Battani ist einer der größten Astronomen und Mathematiker seiner Zeit.
Al-Battani ist einer der größten Astronomen und Mathematiker seiner Zeit.

Er ist der Erste, der in der Mathematik statt der griechischen Sehne den Sinus verwendete. Al-Battani, der als eigentlicher Begründer der neuen Trigonometrie gilt, spezialisierte sich in seinen Arbeiten auf dem Gebiet der sphärischen Trigonometrie, untersuchte rechte Winkel und legte die Begriffe Sinus, Kosinus, Tangens, Kotangens, Sekans und Kosekans vor.198 Er verfasste viele Werke über Astronomie und Trigonometrie. Seine Arbeiten auf dem Gebiet der Astronomie hinterließen bis zur Renaissance in Europa ihre Spuren, und seine Entdeckungen in der Astronomie und Trigonometrie trugen zur Entwicklung dieser Wissenschaften bei.199 Al-Battani, der als einer der ersten muslimischen Gelehrten gilt, deren Werke ins Lateinische übersetzt wurden, baute das eigentliche Ziel seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auf folgender Grundlage auf:

„Der Mensch kann die Existenz Gottes, Seine Einheit, Seine Macht und die Vollkommenheit Seiner Werke durch die Wissenschaften, allen voran die Astronomie, kennenlernen. So sind zum Beispiel diese sichtbaren Sterne, diese Erde, auf der wir leben, und die Bewegungen der Erde ein deutlicher Beweis für die Existenz und Einheit Gottes.“200

Abu l-Qasim az-Zahrawi (936–1013)

Dass die Chirurgie zu einer eigenständigen Wissenschaft wurde, ist dem Andalusier az-Zahrawi zu verdanken. Az-Zahrawi führte chirurgische Operationen durch, die vor ihm niemand zustande gebracht hatte, und erfand Methoden und Instrumente. Az-Zahrawi gilt als der Arzt jener Zeit, der sich am meisten und am ernsthaftesten mit der Medizin beschäftigte. Der wichtigste Faktor, der zur Verbreitung seines Ruhmes beitrug, war sein berühmtes Werk „at-Tasrif“. Dieses Buch, das aus zwei Bänden und dreißig Abschnitten besteht, ist ein Werk von neunhundert Seiten, dessen eigentlicher Titel „Kitab at-Tasrif li-man adschiza an at-talif“ lautet. Dieses Werk wurde zur Standardenzyklopädie, die im Westen verwendet wurde. „At-Tasrif“ ist das erste Buch, in dem neben den Beschreibungen der chirurgischen Instrumente auch Abbildungen dieser Instrumente dargestellt sind. Viele dieser chirurgischen Instrumente, deren Zahl 200 erreicht, sind neue Instrumente, die zuvor bei keiner Operation verwendet worden waren. Einige von az-Zahrawis Erfolgen auf dem Gebiet der Medizin sind folgende:

Az-Zahrawi verbesserte viele heikle Operationen weiter, darunter die Entfernung eines toten Fetus und die Amputation (das Abtrennen von Gliedmaßen).201 Er fasste das chirurgische Wissen seiner Zeit zusammen und führte neue Ideen und Methoden wie die Durchführung von Operationen an lebenden Tieren zu Übungszwecken in die Welt der Medizin ein.

Az-Zahrawi ist der Arzt, der in der Geschichte als Erster die Hämophilie (eine schwere Blutkrankheit, bei der die Gerinnungsfähigkeit des Blutes gering ist) erklärte.202 Er ist der Erste, der Beckenbrüche behandelte.203 Auch wie Nierensteine entfernt werden können, stellte az-Zahrawi als Erster fest.

Zur Reinigung und Entfernung von Nasenwucherungen stellte er als Erster ein originelles Instrument namens „senanir“ her.

Er führte als Erster eine Bruchoperation durch und verwendete bei seinen Operationen ihm eigene Methoden der Betäubung.

Az-Zahrawi ist als der erste Arzt bekannt, der die Idee vorbrachte, kariöse Zähne mit Blei zu füllen und dann zu ziehen, damit sie gezogen werden können, ohne zu zerbrechen.

Die bei Operationen benötigten Instrumente verwendete er, nachdem er sie mit einer ihm eigenen Methode von Mikroben gereinigt hatte. Diese Reinigung führte er mithilfe einer Substanz namens „maddat as-safra“ durch. In unserer Zeit durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Substanz die Eigenschaft besitzt, Bakterien abzutöten.

Nebenstehend ist eine Seite aus der lateinischen Übersetzung von az-Zahrawis Werk „Kitab at-Tasrif li-man adschiza an at-talif“ zu sehen. Az-Zahrawi erfand und verwendete auf dem Gebiet der Medizin sehr feine und präzise Instrumente.
Nebenstehend ist eine Seite aus der lateinischen Übersetzung von az-Zahrawis Werk „Kitab at-Tasrif li-man adschiza an at-talif“ zu sehen. Az-Zahrawi erfand und verwendete auf dem Gebiet der Medizin sehr feine und präzise Instrumente.

Dass az-Zahrawi als Erster Tierdarm zum Nähen von Wunden verwendete, wird von westlichen Wissenschaftlern anerkannt. Die Darmfäden in den heutigen modernen Sterilpackungen sind von az-Zahrawi bis in unsere Zeit gelangt.204 Nach Ansicht von Donald Campbell ist „das, was die Aufmerksamkeit der europäischen Gelehrten in Bezug auf az-Zahrawi erregte, dass er bei der Geburt den Fetus leicht herausholte. Seine Methode stellte die Methode Galens in den Schatten, bewahrte in Europa fünfhundert Jahre lang ihre Überlegenheit und trug zur Entwicklung der chirurgischen Standards im christlichen Europa bei.“205

Ibn al-Haitham (965–1040)

Der größte islamische Physiker des Mittelalters ist Ibn al-Haitham. Ibn al-Haithams Werk über das Licht, „Kitab al-Manazir“ (Der Schatz der Optik), wurde ins Lateinische übersetzt und beeinflusste im Westen die Forschungen von Physikern wie Roger Bacon. Während man im Altertum dachte, das Sehen entstehe dadurch, dass das Licht aus dem Auge austritt und den Gegenstand erreicht, bewies Ibn al-Haitham im Gegenteil, dass das Licht vom Gegenstand zu uns gelangt. Die erste physikalische Erklärung des Sehens gab Ibn al-Haitham. Darüber hinaus schrieb Ibn al-Haitham, der auch Mathematiker und Philosoph war, mehr als hundert Werke und galt auf allen Wissenschaftsgebieten seiner Zeit als große Autorität.206

Al-Biruni (973–1051)

Al-Biruni, der in der islamischen Welt als größter Gelehrter der Wissenschaft und der Religion des 10. und 11. Jahrhunderts gilt, war in der Weltgeschichte der Wissenschaft der größte Astronom, Mathematiker, Ethnograf, Historiker und Philosoph seiner Zeit. Seine Werke werden in der westlichen Wissenschaftswelt bis heute als Quellen verwendet. Die von der UNESCO in 25 Sprachen herausgegebene Zeitschrift „Courier“ brachte in ihrer Ausgabe vom Juni 1974 auf der Titelseite die Worte: „Al-Biruni, ein internationales Genie, das vor 1000 Jahren in Zentralasien lebte: Astronom, Historiker, Botaniker, Pharmazeut, Geologe, Dichter, Denker, Mathematiker, Geograf und Humanist“.

Al-Biruni, der bewirkte, dass das Jahrhundert, in dem er lebte, das „Jahrhundert al-Birunis“ genannt wurde, und dessen Werke noch Jahrhunderte nach seiner Zeit genutzt wurden, hinterließ nicht nur in der islamischen Welt, sondern in der ganzen Welt seine Spuren.207 Al-Biruni, der türkischer Herkunft war, teilte mit, dass die Menschheit, insbesondere auf dem Gebiet der Wissenschaft, große Gewinne erzielte, als sich diese Zivilisation infolge der Annahme des Islam durch die Türken über sehr weite Gebiete ausbreitete.

Obwohl man annimmt, dass das Gravitationsgesetz von dem englischen Gelehrten Newton entdeckt wurde, war al-Biruni der Erste, der zu diesem Thema forschte. Außerdem brachte er die in unserer Zeit diskutierte Vorstellung, dass die Landmassen nach Norden driften, schon vor neuneinhalb Jahrhunderten zur Sprache. Al-Biruni, der als Erster zu seiner Zeit von der Existenz des Kaps der Guten Hoffnung sprach, gab auch umfassende Informationen über Nordasien und Nordeuropa und sprach darüber hinaus fünf Jahrhunderte vor Christoph Kolumbus vom amerikanischen Kontinent und von Japan.208 Seine Arbeiten auf dem Gebiet der Astronomie begann er 995 mit der Berechnung der Neigung der Sonne und der Planeten. Er stellte fest, dass die Geschwindigkeit des Lichts im Vergleich zum Schall außerordentlich groß ist.209 Al-Biruni legte als Erster die in der Trigonometrie als Kosinussatz bekannte Beziehung vor, wandte die Geometrie auf die Botanik an, stellte sehr originelle Fakten über Vögel fest und schrieb viele Bücher auf sehr verschiedenen Gebieten.

Al-Biruni ist einer der größten Gelehrten seiner Zeit auf dem Gebiet der Natur- und exakten Wissenschaften.
Al-Biruni ist einer der größten Gelehrten seiner Zeit auf dem Gebiet der Natur- und exakten Wissenschaften.

Er entdeckte, dass das Licht schneller ist als der Schall. Er deckte die Unterschiede zwischen heißem und kochendem Wasser auf und entdeckte ebenso die ausdehnende Wirkung der Wärme auf Metalle.210 In seinem Werk „Kitab al-Dschamahir fi Marifat al-Dschawahir“ (Über die Eigenschaften der Edelsteine) berechnete er die Gewichte von 23 festen Körpern und 6 Flüssigkeiten sehr nahe an ihren heutigen Werten.211 Al-Biruni bestimmte die relativen Dichten mit einem Instrument, das er das kegelförmige Instrument nannte und das als ältestes Pyknometer (Dichtemessgerät) bezeichnet wird. Um verschiedene Eigenschaften des Himmels und der Erdoberfläche, die Breiten- und Längenkreise, die Kontinente und Meere darzustellen, baute er einen Globus mit einem Durchmesser von sieben Metern. Mit dieser Arbeit erwarb er sich in der Geschichte den Ruf des ersten Gelehrten, der die Erde auf einem Globus kartierte.212 Sein Werk „Nihayat al-Amakin“ (Die Grenzen der Orte) umfasste verschiedene Gebiete von der Geografie bis zur Geologie und Geodäsie (der Bestimmung der Gestalt der Erdkugel und der Vermessung der Erdoberfläche).213 Al-Birunis wichtigstes Werk auf dem Gebiet der Astronomie ist jedoch seine Enzyklopädie „al-Qanun al-Masudi“ (Der Masudische Kanon). In diesem Werk gibt es neben vielen neuen Entdeckungen auch einen Abschnitt über die Trigonometrie. Al-Biruni, der sich gegen die Regeln des Ptolemäus und des Aristoteles stellte und vorbrachte, dass die Erde nicht feststeht, sondern ein sich drehender Körper ist, legte nach Ansicht von Wissenschaftshistorikern den Grundstein der modernen Astronomie.

Al-Birunis Glaube an Gott

Al-Biruni lernte in der Bibliothek von Buchara Ibn Sina kennen, und sie profitierten vom Wissen des jeweils anderen. Die Gelehrten Bucharas pflegten eine gesunde Tradition des Wissensaustauschs. Sie verbargen ihr Wissen nicht vor anderen, sondern teilten es gern.214 Al-Biruni führte zu den Gebieten der Algebra, Geometrie und Geografie einen Vers aus dem Quran an, kommentierte das im Vers behandelte Thema, verband Wissenschaft und Religion und sagte, dass sein Ziel beim Erlernen der Wissenschaft darin bestehe, Gott zu erkennen und die Wahrheit zu finden. Seine Werke werden in der westlichen Wissenschaftswelt bis heute als Quellenwerke verwendet.

Nebenstehend werden einige Beispiele aus al-Birunis Arbeiten gezeigt.
Nebenstehend werden einige Beispiele aus al-Birunis Arbeiten gezeigt.

In seinem Buch „Kanon über die Erde und die Sterne“ bewies al-Biruni, dass die Sterne und Planeten kugelförmig sind, und indem er bewies, dass die Erde um die Sonne und der Mond um die Erde kreist, legte er diese Wahrheiten 6 Jahrhunderte vor den westlichen Wissenschaftlern dar.215 Al-Biruni, dem es gelang, den Durchmesser der Erde mit einem berühmten, nach ihm benannten Gesetz zu berechnen, fand den Erdradius mit einer Abweichung von nur 14 Kilometern.216 Al-Birunis Buch „Geschichte Indiens“, das sehr wertvolle Informationen über Indien gibt, wurde in alle westlichen Sprachen übersetzt und wurde zu einer unersetzlichen Quelle für Geografen und Historiker. Während seiner Zeit in Indien übersetzte er viele arabischsprachige Quellen ins Sanskrit und einige Bücher aus dem Sanskrit ins Arabische und schlug so die erste kulturelle Brücke zwischen der islamischen und der indischen Zivilisation.217 Al-Biruni war wissenschaftlich tätig, indem er sich auf die Weisheiten in den Versen stützte. Gott macht in vielen Versen des Quran auf die Bedeutung der Glaubenswahrheiten aufmerksam. In den Versen der Sure Fatir werden Beispiele für Glaubenswahrheiten gegeben, und es heißt:

„Siehst du denn nicht, dass Gott vom Himmel Regen herabsendet? Damit bringen Wir dann Früchte von unterschiedlichen Arten hervor. Und in den Bergen gibt es Streifen in verschiedenen Farben – weiße, rote und tiefschwarze. Und auch unter den Menschen, den Tieren und dem Vieh gibt es solche von unterschiedlichen Farben. Unter Seinen Dienern fürchten Gott nur die Wissenden. Wahrlich, Gott ist allmächtig und allvergebend!“ (Sure 35:27-28, Fatir)

Auch al-Biruni gelangte zu wissenschaftlichen Wahrheiten, indem er sich auf die Weisheiten in den Versen stützte. So erklärte er zum Beispiel mit diesem Vers, dass die Sonne im Norden der Erde monatelang nicht aufgeht und, wenn sie aufgeht, nicht untergeht:

„Als er schließlich den Ort erreichte, an dem die Sonne aufgeht, fand er, dass sie über Leuten aufging, denen Wir gegen sie keinen Schutz gegeben hatten.“ (Sure 18:90, al-Kahf)

Al-Biruni zeigte dies, indem er eine Kugel, die die Erde darstellte, vor eine Lampe stellte und sie drehte.218 Al-Biruni schickte Sultan Masud, der ihm für sein Buch Gold und Juwelen im Gewicht eines Elefanten geschickt hatte, sein Geschenk zurück und sagte: „Ich habe dieses Buch nicht für Reichtum, sondern für die Wissenschaft geschrieben.“219

Ibn Sina (980–1037)

Ibn Sina, der von allen wissenschaftlichen Kreisen der Welt als einer der wertvollsten Gelehrten anerkannt wird, die je gelebt haben, hatte schon mit 18 Jahren alle Wissenschaften seiner Zeit erlernt. Sein Werk „al-Qanun fi-t-Tibb“ (Der Kanon der Medizin), das als Meisterwerk der Medizin gilt und kurz als „al-Qanun“ bekannt ist, ist in die Abschnitte Physiologie, Hygiene (Gesunderhaltung), Therapie und Pharmakologie (die Lehre von den Arzneimitteln) gegliedert. Dieses Werk, eine große medizinische Enzyklopädie in fünf Bänden mit etwa einer Million Wörtern, wies sowohl in Bezug auf seinen Inhalt als auch auf seine Machart jahrhundertelang der medizinischen Literatur den Weg. Ab dem 13. Jahrhundert wurde es an europäischen Universitäten als Lehrbuch verwendet und war auch an den Universitäten von Montpellier und Löwen, den berühmten medizinischen Fakultäten jener Zeit, das grundlegende Lehrbuch. Bis zur Entstehung der neuen Medizin nach ihm galt es als die Quelle, auf die sich die in türkischer, arabischer, persischer und verschiedenen westlichen Sprachen verfassten Werke stützten. Ein großer Teil des im „al-Qanun“ behandelten medizinischen Wissens bewahrt bis heute seinen Wert.

Gezeigt wird eine Arbeit Ibn Sinas, der als großer Arzt bekannt ist, die Informationen über Leber, Lunge, Herz und Gehirn enthält.
Gezeigt wird eine Arbeit Ibn Sinas, der als großer Arzt bekannt ist, die Informationen über Leber, Lunge, Herz und Gehirn enthält.
Rechts ist eine Apothekenminiatur aus einer Handschrift Ibn Sinas aus dem 15. Jahrhundert zu sehen. Unten wird ein Bild wiedergegeben, das Ibn Sina bei der Arbeit zeigt.
Rechts ist eine Apothekenminiatur aus einer Handschrift Ibn Sinas aus dem 15. Jahrhundert zu sehen. Unten wird ein Bild wiedergegeben, das Ibn Sina bei der Arbeit zeigt.

Ibn Sina, der in der westlichen Welt unter dem Namen „Avicenna“ bekannt ist und mit seinen Gedanken der Medizin unserer Zeit den Weg erhellt, trennte in der Welt der Medizin zum ersten Mal Medizin und Chirurgie als zwei getrennte Gebiete. Darüber hinaus betonte er die Bedeutung der Anatomie für die chirurgische Behandlung, damit der Mensch ein gesundes Leben führen kann, gab Beispiele für chirurgische Behandlungen, die wegen sehr hoher Lebensgefahr nicht bevorzugt werden, und empfahl Instrumente, die bei Operationen verwendet werden sollten.

Untersucht man seine medizinischen Werke, so sieht man, dass Ibn Sina viele Gedanken hatte, die selbst für die Medizin unserer Zeit grundlegend sind. In seinen medizinischen Forschungen sprach er in seinen Werken sogar davon, dass bei der Ansteckung mit manchen Krankheiten eine Art mit bloßem Auge unsichtbarer Wesen eine Wirkung hat, also von der Existenz der „Mikroben“ und diesen unbekannten Wesen. Ibn Sina war der Arzt, der als Erster eine Injektion unter die Haut gab, als Erster bei Operationen die Narkose anwandte, Magen- und Darmkrankheiten wissenschaftlich untersuchte, die Wirkung seelischer Zustände auf das Verdauungssystem feststellte, als Erster die Ursachen der Gesichtslähmung fand und als Erster Magen- und Darmwürmer sowie das Atmungssystem bestimmte.220

Der große Arzt

Ibn Sina, der umfangreiche Untersuchungen auf den Gebieten der Mathematik, Astronomie und Geometrie durchführte und als „großer Arzt“ gilt, schrieb fast 150 Werke, von denen die meisten Wissenschaftsgebieten wie Physik, Astronomie und Philosophie angehören. Die Arbeiten Ibn Sinas, der 500 Jahre vor Isaac Newton das erste Gesetz der Dynamik in seiner 18-bändigen Enzyklopädie „asch-Schifa“ erklärte, umfassen neben der Medizin auch die Gebiete Mathematik, Physik, Metaphysik, Theologie, Wirtschaft, Politik und Musik.221 Ibn Sina beeinflusste auch auf dem Gebiet der Philosophie sowohl östliche als auch westliche Philosophen. Seine Werke wurden im 12. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt und verbreiteten sich danach in der ganzen Welt. Die Werke Ibn Sinas nahmen etwa 8 Jahrhunderte lang einen Ehrenplatz in den Bibliotheken der Welt ein.222

Al-Chazini (1100–1160)

Der Astronom und Physiker al-Chazini, der im 12. Jahrhundert in Turkestan lebte, ist besonders für seine Arbeiten über die Schwerkraft und die Waagen bekannt.223 Al-Chazini sagte 500 Jahre vor Newton, dass „es eine Kraft gibt, die jeden Körper zum Mittelpunkt der Erdkugel zieht“.224 Hundert Jahre vor Roger Bacon brachte er den Gedanken vor, dass das Wasser umso dichter wird, je näher man dem Mittelpunkt der Erde kommt. Er ist der Erste, der ein Aräometer verwendete, um die Dichte und Temperatur von Flüssigkeiten zu messen.225 Außerdem arbeitete er darüber, wie in vielen islamischen Städten die Gebetsrichtung (Qibla) bestimmt werden kann. Al-Chazini untersuchte auch die Prinzipien der Lichtbrechung und stellte fest, dass die Sonnenstrahlen, die mit dem Himmel in Berührung kommen, die Erde nicht direkt und geradlinig, sondern gebrochen erreichen.

Auf dem Bild ist die Waage der Weisheit mit fünf Schalen zu sehen, die al-Chazini baute, um die Gewichte von Körpern in der Luft zu berechnen.
Auf dem Bild ist die Waage der Weisheit mit fünf Schalen zu sehen, die al-Chazini baute, um die Gewichte von Körpern in der Luft zu berechnen.

Al-Chazini trug mit den empfindlichen Waagen, die er erfand, um die Dichte und das spezifische Gewicht chemischer Stoffe zu messen, zur Entwicklung der Chemie bei. In seinem Werk „Kitab Mizan al-Hikma“ (Das Maß der Weisheit) stellte er die Wasserwaage als Messinstrument vor. Dieser von ihm erfundenen Waage gab er den Namen „al-mizan al-dschami“ (die umfassende Waage). Die Dichte- und Gewichtsberechnungen, die er mit dieser Waage durchführte, kommen den Berechnungen, die mit der Technologie unserer Zeit durchgeführt werden, sehr nahe.226 In seinem Werk „az-Zidsch as-Sandschari“ (Sternkatalog) nahm al-Chazini auch Informationen über die Sterne und Planeten sowie die Breiten- und Längenkreise des Seldschukenstaates auf. In seiner Schrift „Risala fi-l-Alat“ (Abhandlung über die Instrumente) behandelt er die Beobachtungsinstrumente.

Ibn Ruschd (1126–1198)

Er ist ein andalusischer Gelehrter der Philosophie, des islamischen Rechts (Fiqh), der Mathematik und der Medizin, der in der westlichen Welt unter dem Namen „Averroes“ bekannt ist. Sein berühmtestes philosophisches Werk ist „Tahafut at-Tahafut“ (Die Widersprüchlichkeit der Widersprüchlichkeiten). Er versuchte, das Denksystem des Aristoteles mit dem Islam zu verbinden. Die Wiederentdeckung des wissenschaftlichen Erbes des Aristoteles im Westen ergab sich aus der Übersetzung der Werke Ibn Ruschds ins Lateinische zu Beginn des 12. Jahrhunderts, und seine Werke beeinflussten jahrhundertelang das östliche und westliche Denken.

Ibn Ruschd, Gelehrter der Medizin, der Mathematik, der Philosophie und des islamischen Rechts.
Ibn Ruschd, Gelehrter der Medizin, der Mathematik, der Philosophie und des islamischen Rechts.

Seine Bücher wurden in Italien in zehn Bänden gedruckt und sowohl an italienischen als auch an französischen Universitäten als Lehrbücher verwendet.227 Ibn Ruschd, der den menschlichen Organismus als „ein seiner Erschaffenheit nach außergewöhnliches Werk Gottes“228 betrachtete, sagte: „Das Sezieren des Organismus zu Untersuchungszwecken stärkt den Glauben.“229 Auf dem Gebiet der Neurologie brachte Ibn Ruschd die Existenz der Parkinson-Krankheit vor sowie die Ansicht, dass die Eigenschaften der Photorezeptoren zur Netzhaut des Auges gehören.230 Auf dem Gebiet der Physik ist Ibn Ruschd der Erste, der die Kraft als „die Geschwindigkeit, mit der Arbeit verrichtet wird, um den kinetischen Zustand eines materiellen Körpers zu verändern“, definierte und maß. Darüber hinaus ist Ibn Ruschd auch der Erste, der behauptete, dass „die Wirkung und das Maß der Kraft die Veränderung im kinetischen Zustand einer materiell zusammenhängenden Masse“ seien.231

Al-Dschazari (1136–1206)

Al-Dschazari, den westliche Quellen als „muslimischen Ingenieur, der den Gipfel seiner Zeit erreichte“ beschreiben, war 32 Jahre lang Chefingenieur am Artukiden-Palast in Diyarbakir in Ostanatolien. Al-Dschazari, der dort wissenschaftlich tätig war, ist zugleich der erste Begründer der Kybernetik, der Wissenschaft der Kommunikation, Steuerung, Herstellung des Gleichgewichts und Regelung.232 Dieses Wissenschaftsgebiet, das sich im Laufe der Zeit weiterentwickelte und die Entstehung der Computer ermöglichte, untersucht den Informationsaustausch, die Steuerung und den Gleichgewichtszustand bei Menschen und Geräten.233 Al-Dschazaris zahlreiche Erfindungen besitzen bis heute erstaunliche Qualitäten.

Al-Dschazari ist der Autor des Buches „al-Dschami bain al-ilm wa-l-amal an-nafi fi sina’at al-hiyal“ (Nützliches Wissen und Anwendungen bei der Herstellung von Geräten), in dem er die Entwürfe vieler praktischer und ästhetischer Geräte wie Wasseruhren, automatischer Steuerungsvorrichtungen, Springbrunnen, Gefäße zum Auffangen von Blut, Zahlenschlösser und Roboter vorlegt und erklärt, wie sie verwirklicht werden können. Alle Abbildungen in dem Werk zeichnete und kolorierte er selbst. Dieses Werk, das seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der westlichen Welt auf großes Interesse stößt, wurde 1974 von Donald R. Hill unter dem Titel „The Book of Knowledge of Ingenious Mechanical Devices“ (Das Buch des Wissens über sinnreiche mechanische Vorrichtungen) ins Englische übersetzt. Der berühmte Wissenschaftshistoriker Prof. Lynn White Jr., der das Vorwort zur Übersetzung des Buches schrieb, teilt mit, dass viele Entdeckungen von al-Dschazari lange vor Leonardo da Vinci und anderen gemacht wurden. Erfindungen, die den vollkommenen Geräten ähneln, die er unter Anwendung der Kybernetik baute, findet man in anderen Werken erst 200 bis 350 Jahre nach al-Dschazaris Tod.

Al-Dschazari wird in westlichen Quellen als „muslimischer Ingenieur, der zum Gipfel seiner Zeit aufstieg“ beschrieben.
Al-Dschazari wird in westlichen Quellen als „muslimischer Ingenieur, der zum Gipfel seiner Zeit aufstieg“ beschrieben.

In al-Dschazaris weltberühmtem Werk werden Informationen über den Bau und die Funktionsweise automatischer Geräte, Roboterelefanten, von selbst singender Pfauen, automatischer Uhren, eines Roboter-Menschen, der Wasser auf die Hände gießt, und vieler Geräte aus dem Ingenieurwesen gegeben. In dem Buch sind die detaillierten Entwürfe von 50 Geräten zusammen mit ihren Zeichnungen wiedergegeben. Von diesen Geräten sind 6 Wasseruhren, 4 Kerzenuhren, 6 Kannen mit langem Ausguss, 7 automatische Geräte zur Unterhaltung, die verschiedene Töne erzeugen, 3 automatische Geräte für die rituelle Waschung, 4 Gefäße zur Blutentnahme, 6 Springbrunnen, 4 Geräte, die von selbst Töne erzeugen, 5 Geräte, die Wasser nach oben befördern, 2 Schlösser, 1 Winkelmesser, 1 Boot-Wasseruhr und das Tor der Stadt Amid. Al-Dschazari stellte auch die besonderen Teile, die in diesen Geräten verwendet werden, mit großer Präzision her.

Ibn al-Baitar (1199–1248)

Ibn al-Baitar, der in Botanik, Medizin und Pharmazie einen besonderen Platz einnimmt, ist als größter Botaniker und Pharmazeut des Mittelalters bekannt. Er schrieb eine medizinische Enzyklopädie, „Seltsame Elefanten“, eine „Paraphrase des Dioskurides“ und die „Enzyklopädie der Heilmittel und Nahrungsmittel“. Auf den Reisen, die er sein Leben lang unternahm, sammelte Ibn al-Baitar tiefgehendes Wissen über Heilkräuter. Dieses Wissen fasste er in der „Enzyklopädie der Heilmittel und Nahrungsmittel“ zusammen, die auch als „Baitarname“ bekannt ist. In diesem Werk behandelte er die heilende Bedeutung von insgesamt 1400 Pflanzen, von denen 200 zuvor unbekannt waren und die auch anstelle anderer, alternativer Pflanzen verwendet werden können. Ibn al-Baitar, der in diesem Buch, das er mit ganz modernen Methoden verfasste, erklärt, welche Arzneimittel hergestellt werden können, ordnete diese alphabetisch an. Er gab die Entsprechungen der Namen der Arzneimittel auf Arabisch, Griechisch, Persisch und Spanisch an.234 In der Zeit der europäischen Renaissance übersetzte der österreichische Orientalist Sontheimer al-Baitars „Enzyklopädie der Heilmittel und Nahrungsmittel“ ins Lateinische. Dieses Buch wurde bis ins 19. Jahrhundert an westlichen Universitäten als Quelle verwendet.

Nasir ad-Din at-Tusi (1200–1273)

Nasir ad-Din at-Tusi ist ein großer Mathematiker, der Neuerungen in die Arbeit auf dem Gebiet des Ingenieurwesens und des Weltraums einführte und die Trigonometrie zu einem eigenständigen Wissenschaftsgebiet machte und weiterentwickelte. Er kommentierte und beurteilte Euklids 13-bändiges Buch „Die Elemente“.

Nasir ad-Din at-Tusi und eines seiner handschriftlichen Werke.
Nasir ad-Din at-Tusi und eines seiner handschriftlichen Werke.

Nasir ad-Din at-Tusi schuf neue Systeme in der Mathematik, indem er einige Aufgaben des Ingenieurwesens auf algebraischem Weg und einige Aufgaben der Algebra mit ingenieurtechnischen Methoden löste. Auf dem Gebiet der Mathematik schrieb er Bücher wie „Die bewegte Kugel“, „Die Abwicklung der Kugel“ und „Algebra und Vergleich“.235 Die Sternwarte, die at-Tusi in Maragha gründete, wurde in kurzer Zeit zu einer der größten und berühmtesten Sternwarten der islamischen Welt.236 Mit der Zeit galt sie als eine der größten und berühmtesten Sternwarten der Weltgeschichte.

At-Tusi kommentierte das Buch „Almagest“ des Ptolemäus, stellte eine neue und einfachere Theorie für das Universum auf und bereitete mit dieser Arbeit den Boden für die Erfolge des Kopernikus. Die Neuerungen, die er in seinen Arbeiten über Physik, Ingenieurwesen und den Weltraum einführte, halfen der Menschheit, sich auf diesen Gebieten zu entwickeln. Seine Theorien und Beweise rufen auch in unserer Zeit die Anerkennung der Mathematiker hervor. Nasir ad-Din at-Tusis Buch über die Trigonometrie wurde in der westlichen Welt ins Lateinische, Französische und Englische übersetzt, und viele Gelehrte stellten, gestützt auf dieses Buch, neue Theoreme auf.

Der amerikanische Orientalist George Sarton sagte über Nasir ad-Din at-Tusi: „At-Tusi ist einer der größten muslimischen Gelehrten und Mathematiker.“237

Al-Qazwini (1203-1283)

Der große Geograf und Geologe Zakariya ibn Muhammad al-Qazwini verfasste als Ergebnis fünfzehnjähriger Arbeit das Buch „Adschaib al-machluqat wa ghara'ib al-maudschudat“ (Die Wunder der Geschöpfe und die Seltsamkeiten der existierenden Dinge). Dieses Buch wurde ins Persische, Türkische und Französische übersetzt. Es besteht aus zwei Hauptteilen. Im ersten Teil werden Informationen über die Himmelskörper und den Weltraum gegeben und die Stellungen der Himmelskörper nach Ort und Zeit behandelt. Im zweiten Teil geht es um grundlegende Informationen über die Erdkugel, den geologischen Aufbau der Erdoberfläche, die Mineralien, die Pflanzen und die Tiere. Al-Qazwinis Kosmografie, die der deutsche Forscher Carl Brockelmann „die wertvollste Kosmografie der islamischen Kultur“ nannte, war eines der meistgelesenen Werke der islamischen Welt (Die Kosmografie ist ein Wissenschaftszweig der Kosmologie, der sich nur unter Nutzung der Grundbegriffe der Mathematik und der Physik mit den wichtigsten Phänomenen befasst).

Eine Seite aus dem Werk von Zakariya ibn Muhammad al-Qazwini.
Eine Seite aus dem Werk von Zakariya ibn Muhammad al-Qazwini.

Die Besonderheit des Werkes „Adschaib al-machluqat“ besteht darin, dass es auf der Grundlage der Einheit Gottes und der Einheit der Schöpfung geschrieben ist. Das Universum ist die Offenbarung Gottes, der die absolute Wirklichkeit ist. Gottes Befehl „Sei!“ hat bewirkt, dass alles im Universum in einem Augenblick entstand und dass die erschaffenen Lebewesen miteinander in Wechselbeziehung stehen. Nach dem Islam soll der Mensch die Weisheit in Gottes Schöpfung möglichst gut verstehen. Al-Qazwini betonte, wie wichtig es ist, dass der Mensch sich so sehr bemüht, wie es ihm möglich ist, um Gottes außergewöhnliche und weise Schöpfung zu erforschen, voller Staunen über sie nachzudenken und sie zu verstehen. Auf diese Weise wird der Mensch die Schönheiten sowohl dieser Welt als auch des Jenseits erlangen.238 Al-Qazwini gelang es, viele Wahrheiten aufzudecken, die die früheren Gelehrten im Osten und im Westen nicht gekannt hatten. Viele Gelehrte, die sich mit dem Weltraum und der Geografie befassten, nutzten dieses Buch bis ins 16. und 17. Jahrhundert.239 Al-Qazwinis letztes Buch, „Die Spuren der Länder und die Nachrichten über die Menschen“, ist eine Art Geschichte der Menschheit.

Ibn an-Nafis (1213-1288)

Ein weiterer Gelehrter, der im 13. Jahrhundert wichtigen Errungenschaften der Wissenschaft seinen Stempel aufdrückte, ist Ala ad-Din Ali ibn Abi l-Hazm al-Qurashi, bekannt als Ibn an-Nafis.240 In seinem berühmten Werk „Mudschaz al-Qanun“ machte Ibn an-Nafis viele medizinische Darlegungen. In seinem Werk erforschte er insbesondere die Anatomie des Herzens und der Atemwege, deckte den Aufbau und die Funktion der Lunge auf und bewies die Existenz der Kapillaren.241 Die wichtigste Besonderheit des Werkes ist, dass Ibn an-Nafis den kleinen Blutkreislauf drei Jahrhunderte vor Michael Servetus im 16. Jahrhundert genau so beschrieb wie dieser. Bis zu jener Zeit ging die klassische Lehre in der Anatomie davon aus, dass das Septum (die trennende Membran oder Wand, die zwei getrennte Bereiche eines Organs voneinander scheidet) durchlässig sei. Ibn an-Nafis hingegen vertrat die Auffassung, dass das Septum nicht durchlässig ist. Tatsächlich wurde in den folgenden Jahrhunderten durch Beobachtungen bewiesen, dass das Septum nicht durchlässig ist.242 Mit dieser bedeutenden Entdeckung wurde Ibn an-Nafis zweifellos zu einer der größten Persönlichkeiten der Medizingeschichte. Außerdem erforschte Ibn an-Nafis den Aufbau des Auges und den Vorgang des Sehens und erklärte ihn auf moderne Weise.

Ibn Battuta (1303-1378)

Der große Reisende Ibn Battuta hielt alles, was er an den bereisten Orten erlebte und sah, in seinem Heft fest.

Ibn Battuta schrieb innerhalb von zwei Jahren nieder, was er auf seiner Reise über drei Kontinente gesehen hatte. Die auf seinen Reisen gesammelten Informationen übertreffen die auf der Reise Marco Polos gewonnenen um ein Vielfaches. 500 Jahre nach Ibn Battutas Tod begannen Orientalisten, sich für seine Reisen zu interessieren, übersetzten sein Buch ins Lateinische, Englische, Französische und Deutsche und kommentierten die Ereignisse.

Ibn Chaldun (1331-1406)

Ibn Chaldun gilt als Begründer der Soziologie. Sein Werk „Einleitung über die Bedeutung der Geschichte“, das er aufgrund seiner Erfahrungen und Kenntnisse in der kurzen Zeit von etwa fünf Monaten schrieb, wurde zu einem Buch, das nicht nur die Grundlage der Soziologie, sondern aller Sozialwissenschaften legte.

Es wurde zu einem der bekanntesten Bücher der Welt über Soziologie und ging als „Muqaddima des Ibn Chaldun“ in die Geschichte ein. In diesem Buch werden die sozialen Wahrheiten behandelt, die die Geschichte der Menschheit beeinflusst haben.243 Ibn Chaldun, der als erster wahrer „Geschichtsphilosoph“ gilt, gründete die Geschichtsphilosophie als Erster auf historische Ereignisse.

Ibn Chaldun, der als Begründer der Soziologie bekannt ist.
Ibn Chaldun, der als Begründer der Soziologie bekannt ist.

Kadizade-i Rumi (1337-1421)

Kadizade-i Rumi, Gelehrter der Mathematik, der Astronomie und des islamischen Rechts, war in Samarkand der Lehrer von Ulugh Beg, dem Enkel Timurs.244 Ulugh Beg schätzte seinen Lehrer Kadizade sehr und ließ für ihn eine Medrese und eine Sternwarte bauen. Durch die Beobachtungen, die Kadizade-i Rumi in dieser Sternwarte durchführte, stellte er fest, dass viele Erkenntnisse der antiken griechischen Gelehrten falsch waren. Er befasste sich ernsthaft mit der Neubearbeitung astronomischer Tafeln. Deshalb wird Kadizade als der ernsthafteste und wahrhaftigste Astronom seiner Zeit bezeichnet.

Eine der bemerkenswertesten Arbeiten von Kadizade-i Rumi ist auch die Berechnung von Sinus 1°.245 Er hat bedeutende Werke wie „Risale fi istihrac il-ceyb derece vahide“ (Abhandlung über die Ableitung vom ersten Grad), „Şerh-i Eşkal üt-Tesis“ (Erläuterung des Eşkal üt-Tesis) und „Muhtasar fi'l-Hisab“ (Abriss der Rechenkunst). Berühmte Gelehrte wie Fethullah Şirvani und Ali Kuşçu gehören ebenfalls zu den Schülern von Kadizade-i Rumi.

Mahmud Şirvani (1375-1450)

Şirvani, der als einer der ersten Ärzte der osmanischen Medizin gilt, verfasste zu seinen Lebzeiten 11 Werke und widmete alle seine Werke Staatsmännern seiner Zeit.246 „Mürşid“, sein letztes Werk, das Sultan Mehmed dem Eroberer gewidmet ist und das wichtigste unter seinen Werken darstellt, gilt als das größte Werk über Augenkrankheiten in der osmanischen Medizin.247 Ein anderes von ihm verfasstes Werk, „Tuhfe-i Muradi“, wurde aufgrund der darin enthaltenen Informationen in die Liste der ersten in Anatolien geschriebenen medizinischen Werke aufgenommen. Obwohl das Buch eigentlich von Edelsteinen handelt, wird es von Historikern als medizinisches Buch angesehen, da es die Verwendung dieser Steine in der Medizin erklärt.248 Von Şirvanis Werken sind 4 auf Arabisch und 6 auf Türkisch verfasst. In der frühen osmanischen Medizin gibt es keinen zweiten so schöpferischen medizinischen Autor.249

Links eine osmanische Miniatur aus dem 17. Jahrhundert, die astronomische Arbeiten darstellt, unten ein handschriftliches Werk, das in den Archiven der Sternwarte Kandilli aufbewahrt wird.
Links eine osmanische Miniatur aus dem 17. Jahrhundert, die astronomische Arbeiten darstellt, unten ein handschriftliches Werk, das in den Archiven der Sternwarte Kandilli aufbewahrt wird.

Şerafeddin Sabuncuoglu (1386-1470)

Mit seinen Werken trug er zur Entwicklung der medizinischen Wissenschaft in osmanischer Zeit bei. Sabuncuoglus „Cerrahiyyetü'l-Haniyye“, das erste auf Türkisch geschriebene Buch über Chirurgie, wurde in der Medizingeschichte sehr berühmt, weil es chirurgische Eingriffe erstmals in Miniaturen darstellte.250 In dem „Kitab at-Tasrif“, das er auf der Grundlage des Buches von az-Zahrawi verbessert verfasste, gibt es neben den Instrumenten auch Bilder, die zeigen, wie die Eingriffe durchgeführt werden. Er hat auch ein Werk über Arzneimittel mit dem Titel „Mücerrebname“.251

Akşemseddin (1389-1459)

Er war ein berühmter Gelehrter seiner Zeit auf wissenschaftlichen Gebieten wie Medizin, Astronomie, Biologie und Mathematik. Zu seinen berühmten Werken gehören das auf Türkisch geschriebene medizinische Werk „Maddetü'l-Hayat“ (Der Stoff des Lebens) sowie die auf Arabisch geschriebenen Bücher „Hall-i Müşkilat“ (Die Lösung der Schwierigkeiten) und „Risaletü'n-Nuriye“ (Abhandlung über das Licht).252 In seinem Werk „Maddetü'l-Hayat“ beschrieb er vor fünfhundert Jahren die Mikrobe mit den Worten: „Es ist falsch zu glauben, dass die Krankheiten bei den Menschen jeweils einzeln entstehen. Krankheiten gehen durch Ansteckung von Mensch zu Mensch über. Diese Ansteckung geschieht durch Samen, die so klein sind, dass man sie mit dem Auge nicht sehen kann, die aber lebendig sind.“253 Akşemseddin, der der Welt als Erster das Ergebnis verkündete, zu dem Pasteur vier Jahrhunderte nach ihm mit technischen Instrumenten gelangte, befasste sich auch mit der Krebskrankheit.

Es ist bekannt, dass Akşemseddin, der für seine Nähe zu Sultan Murad II. und Mehmed II. bekannt war, mit den von ihm hergestellten Arzneien viele Kranke im Palast und in dessen Umgebung heilte. Akşemseddins zwei äußerst bedeutende große medizinische Werke haben ihre Bedeutung in der medizinischen Literatur bis heute bewahrt.

Ulugh Beg (1393-1449)

Ulugh Beg, der vor allem in der Astronomie und der Mathematik tätig war, legte trotz seines jungen Alters in seiner Zeit großen Wert auf wissenschaftliche Arbeit und ließ 1417 eine Medrese bauen, um die Arbeiten auf dem Gebiet der Astronomie auszuweiten.

Ulugh Beg, der die berühmtesten Gelehrten seiner Zeit wie al-Kaschi (ein muslimischer Mathematiker, der die Dezimalbrüche entdeckte)254 und Kadizade-i Rumi in dieser Medrese versammelte, hat Arbeiten über genaue Sinus- und Kosinustafeln, die bis auf acht Dezimalstellen korrekt sind, sowie über Formeln der sphärischen Trigonometrie.

Ulugh Beg, den westliche Wissenschaftler als „den größten Astronomen des 15. Jahrhunderts“ ansehen, war umfassend auf dem Gebiet der Trigonometrie tätig, die die Grundlage seiner astronomischen Arbeiten bildete, und schrieb sein großes Werk „Zidsch-i Ulugh Beg“. Die „Sterntafel des Ulugh Beg“, die erste ausführliche Sterntafel nach Ptolemäus, war bis ins 17. Jahrhundert die Quelle astronomischer Arbeiten. In diesem Werk sind die Namen und Positionen von 1022 Sternen angegeben. John Greaves ließ einen Teil dieses Buches 1648 in Oxford drucken. Zwei Jahre später wurde in London der erste Teil gedruckt, danach erschien es in zweiter Auflage und wurde 1665 ins Lateinische übersetzt. Später wurde das Werk vollständig ins Französische übersetzt.255 Außerdem deckten die Forschungen an der Sternwarte von Samarkand einige Fehler in den Berechnungen des Ptolemäus auf, die bis dahin als unumstößlich gegolten hatten.256 Die Fakten, die durch die Beobachtungen an der Sternwarte gewonnen wurden, ermöglichten es Ulugh Beg, die Länge eines Jahres sehr genau mit 365 Tagen, 5 Stunden, 49 Minuten und 15 Sekunden zu berechnen. Weitere Verdienste Ulugh Begs um die Welt der Wissenschaft sind die Fakten, die er über die Sonne, den Mond und die Planeten gewann.257 Die westliche Wissenschaftswelt verlieh Ulugh Beg den Titel „Astronom des 15. Jahrhunderts“, und die Internationale Astronomische Union benannte einen Krater auf der Mondoberfläche nach ihm.258

Ulugh Beg, einer der bekanntesten Astronomen seiner Zeit.
Ulugh Beg, einer der bekanntesten Astronomen seiner Zeit.

Ali Kuşçu (1403-1474)

Ali Kuşçu, der unter den Gelehrten der Astronomie und der Mathematik der türkisch-islamischen Welt mit seinen Werken großen Ruhm erlangte, gilt als einer der führenden Gelehrten der Astronomie. Vor allem auf diesen beiden Gebieten war er in Lehre und Unterricht in einer Weise tätig, die die Grenzen seiner Zeit überschritt.

Ali Kuşçu, der in der Fatih-Külliye eine Sonnenuhr baute, bestimmte den Breiten- und Längengrad Istanbuls.259 Kuşçu, der die erste Karte des Mondes erstellte, wurde in unserer Zeit Namensgeber eines Gebiets auf dem Mond.

Eines der größten Werke Ali Kuşçus über die Astronomie ist „Risale fi'l-Hey'e“ (Abhandlung über die Astronomie).260 In diesem Werk, das in der Mathematik und der Astronomie tiefe Spuren hinterließ, finden sich alle wissenschaftlichen Einzelheiten bis hin zu den Entfernungen der Himmelskörper von der Erde. Es wurde auf Persisch geschrieben, später ins Arabische übersetzt und blieb auch nach dem Eindringen der westlichen Wissenschaft in die Türkei ein bevorzugtes Buch auf dem Gebiet der Astronomie.

Ali Kuşçu, der berühmte osmanische Astronom, der die erste Karte des Mondes erstellte.
Ali Kuşçu, der berühmte osmanische Astronom, der die erste Karte des Mondes erstellte.

Sein großes Werk auf dem Gebiet der Mathematik ist „Risale-i Hisab“ (Abhandlung über die Arithmetik). Außerdem erlangte sein Werk „Şerh-i Zic-i Ulugh Beg“ (Der Sternkatalog des Ulugh Beg), das die fortschrittlichsten mathematischen Kenntnisse seiner Zeit enthält, durch seine Verdienste Ruhm.261 Sein Werk „Risaletü'l-Fethiyye“ wurde im 19. Jahrhundert an der Mühendishane in Istanbul (der heutigen Technischen Universität Istanbul) als Lehrbuch verwendet. In diesem Werk behandelte er die Entfernungen der Himmelskörper von der Erde und fügte außerdem am Ende seines Buches eine Karte der Erde bei. Hier bestimmte er die Neigung der Erdachse mit 23° 30’ 17”. Dies ist ein Wert, der den modernen astronomischen Zahlen unserer Zeit (23° 27’) sehr nahekommt.

Molla Lütfi (?-1495)

Molla Lütfi, der zu den berühmten Mathematikern des 15. Jahrhunderts zählt, behandelte in seinem Buch „Tazifü'l-Mezbah“ (Über die Verdopplung des Altarsteins) geometrische Themen wie die Definitionen von Quadrat und Würfel, das Produkt von Seiten und Flächen und deren Quadrierung und untersuchte das berühmte Delische Problem.262

Mukbilzade Mümin (15. Jahrhundert)

Einer der bedeutenden Gelehrten der osmanischen Zeit ist auch Mukbilzade Mümin, der in der Zeit Murads II. heranwuchs und zwei bedeutende Werke schrieb. Mümin gehört zusammen mit Şirvani, der sich besonders für das Thema der Augenkrankheiten interessierte, zu den ersten osmanischen Ärzten.

Das erste Werk des Autors ist das dem Herrscher gewidmete „Zahire-i Muradiye“. Sein zweites Werk, „Miftahü'n-Nur ve Hazainü's-Sürur“, ist ebenfalls ein bedeutendes medizinisches Buch, das dem Herrscher gewidmet ist. Im Buch werden nach einer allgemeinen Behandlung von Diagnose und Gesundheit Einzelheiten über Augenkrankheiten erklärt.263 In diesem bedeutenden Werk werden der Aufbau und die Krankheiten des Kopfes und des Schädels, Augenkrankheiten, Beschwerden des Augenlids sowie Krankheiten wie die Konjunktivitis (Entzündung der Bindehaut) und die Entzündung der Hornhaut des Auges ausführlich beschrieben und Maßnahmen und Mittel zur Vorbeugung der Krankheiten erklärt.264 Dass in den Ärztelisten aller Darüşşifa-Stiftungen der Osmanen der Name Mukbilzade Mümins stets vorkam, beweist, dass er ein äußerst bedeutender Arzt seiner Zeit war, und spiegelt zugleich die Aufmerksamkeit wider, die man damals den Augenkrankheiten schenkte.

Mirim Çelebi (?-1525)

Mirim Çelebi, dessen eigentlicher Name Mahmud bin Mehmed war, gehört zu den führenden Astronomen und Mathematikern der osmanischen Türkei des 16. Jahrhunderts. Er wurde in Istanbul geboren, studierte an den Medresen, lehrte in der Zeit, als Bayezid noch Prinz war, und bekleidete wichtige Ämter. Nach Ali Kuşçu war Mirim Çelebi derjenige, der sich in osmanischer Zeit am meisten für die Entwicklung der Geometrie einsetzte. Er schrieb viele Werke über Mathematik und Astronomie, und seine beiden arabischen Werke „Şifa'ül-Eskam ve Deva'ül-Alam“ und „Kitab at-Ta'lim fi't-Tibb“ spielten eine große Rolle in der Entwicklung der osmanischen Medizin.

Eines der größten Werke Çelebis, des Enkels von Kadizade und Ali Kuşçu, ist sein auf Persisch geschriebener Kommentar „Düsturü'l-Amel ve Tashihü'l-Cedvel“ (Das Prinzip der Arbeit und die Berichtigung der Tafel) zum „Zidsch des Ulugh Beg“.265 Der Autor erklärte die Themen in seinem Werk auf verschiedene Weise; so zeigte er zum Beispiel sehr verständlich 5 verschiedene Lösungswege zur Berechnung des Sinus eines Bogens von 1 Grad.

Er hat viele Abhandlungen über Mathematik und Astronomie. Mirim Çelebi gehört zu den muslimischen Gelehrten, die sich am meisten für die Entwicklung der Astronomie und der Mathematik im Osmanischen Reich einsetzten.

Seydi Ali bin Hüseyin (1498-1563)

Seydi Ali bin Hüseyin, bekannt als Seydi Ali Reis, nahm an vielen Seefahrten, vor allem an Kriegen, teil, stand später im Dienst von Barbaros Hayreddin Pascha und war ein Fachmann der Astronomie und ein großer Seefahrer.266 Das bedeutendste Werk von Seydi Ali Reis, das zeigt, dass er ein Gelehrter war, der die nautische Astronomie und Geografie wirklich sehr gut kannte, ist das „Kitabü'l-Muhit“. Im Werk finden sich wichtige Themen wie die Bestimmung der Richtung, die Zeitrechnung, der Kalender, die Sonnen- und Mondzeiten, die Einteilungen des Kompasses, die Höhen verschiedener Inseln und berühmter Häfen in Bezug auf den Polarstern, einige Angaben zur Astronomie, Winde, Fahrtrouten, große Stürme und die gegen sie zu ergreifenden Maßnahmen. Wie schon aus den Themen hervorgeht, ist das „Muhit“ ein äußerst wissenschaftliches und wichtiges Werk.267 Seydi Ali Reis übersetzte außerdem das berühmte Werk „Fethiyye“ von Ali Kuşçu unter dem Titel „Hulasatü'l-Hey'e“ und ergänzte es. Bei der Aufzählung der Himmel verwendete er astronomische Fachbegriffe und fügte hinzu, dass der Mittelpunkt der Welt der Mittelpunkt der Erde sei und dass schwere Körper zum Mittelpunkt der Erde hin fallen.268 In seinem anderen Werk, „Mir'at-i Kainat“, gibt der Autor Auskunft über Themen wie die Höhe der Sonne und die Positionen der Sterne, die Bestimmung der Gebetsrichtung (Qibla) und der Mittagszeit, die Bestimmung von Kreisumfängen, Sinus, Sehnen und Tangenten sowie eine Methode zur Messung der Breite eines Flusses, dessen anderes Ufer man nicht erreichen kann. Er ist ein herausragender Seefahrer und Astronom, der viele wichtige Kenntnisse auf seinem Gebiet vermittelte und sehr wertvolle Werke hinterließ.269

Takiyüddin (1521-1585)

Er ist einer der größten Astronomen des 16. Jahrhunderts. Er kam aus Kairo nach Istanbul, um ein Staatsamt zu erhalten, wurde wegen seiner Meisterschaft in der Mathematik dem Sultan vorgestellt und gründete mit dessen großer Unterstützung eine Sternwarte. Takiyüddin, der die Sternwarte von Istanbul gründete, baute neun meisterhafte Instrumente, die er für Messungen der Himmelskörper verwendete, und diese wurden zu den vollkommensten Beobachtungsgeräten des 16. Jahrhunderts. Eines dieser Geräte, die „Libne“, ist ein Wandinstrument, mit dem der Durchgang der Sterne durch den Meridian beobachtet wurde. Mit diesem Instrument wurde es damals möglich, die äquatorialen Koordinaten der Himmelskörper zu berechnen.

Takiyüddins bedeutendstes Werk ist „Sidretü'l-Müntehâ“. In diesem Werk wurden die Parameter der Sonne mithilfe der Methode der drei Beobachtungspunkte berechnet. Takiyüddin ist neben Tycho Brahe und Kopernikus der dritte Mensch auf der Welt, der diese Methode anwandte. Obwohl sie zu ähnlichen Ergebnissen gelangten, gingen Takiyüddins Berechnungen der Sonnenparameter als die genauesten Berechnungen des 16. Jahrhunderts in die Geschichte ein.

Takiyüddin behandelte in seinen Werken „Uhren“ als astronomische Instrumente.271 Die wichtigste Besonderheit dieser Uhren ist, dass sie Minuten und Sekunden genau messen. Die Entstehungszeit der Uhr, die in Europa Minuten und Sekunden anzeigte, fällt in dieselbe Zeit, in der Takiyüddin diesen Mechanismus beschrieb.

In einem kleinen Zidsch mit dem Titel „Haridetü'd-Dürer ve Feridetü'l-Fiker“ (Die Sammlung der Perlen und die Perle der Gedanken) verwendete Takiyüddin Dezimalbrüche und gab Auskunft über sie. Mit anderen Worten: Die Dezimalbrüche wurden von Takiyüddin lange bevor sie in Europa bekannt wurden nicht nur vorgestellt, sondern sogar verwendet.272 Auch Takiyüddins Arbeiten auf dem Gebiet der Optik bildeten das Grundwissen der optischen Wissenschaft. Das hohe Niveau, das er in der Optik erreichte, verlief parallel zu Debatten, die im Westen bis ins 17. Jahrhundert aktuell blieben.273 Bedenkt man all dies, so wird deutlich, dass Takiyüddin einer der Gelehrten ist, die weltweit „Erstleistungen“ vollbrachten.

Kâtib Çelebi (1609-1657)

Der aus Istanbul stammende Kâtib Çelebi befasste sich mit der Wissenschaft und erteilte zugleich den Kindern von Staatsmännern Privatunterricht. Die Werke Kâtib Çelebis, der Arabisch, Persisch und Latein beherrschte, wurden in viele Fremdsprachen übersetzt. Sein wichtigstes Werk, „Keşfü'z-Zunun“, ist ein bibliografisches Lexikon, das 14.500 Werke von 10.000 islamischen Autoren einzeln aufführt. Zu seinen sehr berühmten Werken gehören „Cihannüma“, das bedeutendste der auf Türkisch geschriebenen Geografiebücher, „Fezleke“, ein sehr wertvolles Buch über osmanische Geschichte, „Tuhfetü'l-Kibar“, das die Geschichte der türkisch-osmanischen Seefahrt darstellt, und „Takvimü't-Tevarih“, das von der Weltgeschichte handelt.274 In seinem Werk „Cihannüma“ über Geografie und Astronomie teilte er die 5 Kontinente der Erde in 6 Gebiete ein und gab über jedes allgemeine Informationen (Europa, Asien, Afrika, Amerika, Australien und die Polargebiete). Im Werk werden verschiedene Belege für die Kugelgestalt der Erde angeführt, und es werden Informationen über alle bekannten Pflanzen und Tiere von Japan bis Erzurum gegeben. Das „Cihannüma“ ist zugleich das erste und einzige systematische Geografiebuch, das wertvolle, nirgendwo sonst vorhandene Informationen über die Herrschaft der Osmanen auf drei Kontinenten sowie über ihre Städte und Ortschaften enthält.275

Hezarfen Ahmed Çelebi (17. Jahrhundert)

Ahmed Çelebi, der den Flug der Vögel erforschte und sich vom Galataturm in die Luft stürzte und mit den Flügeln schlug, um die Belastbarkeit der von ihm gefertigten Flügel zu messen, überquerte den Bosporus und landete auf der Seite von Üsküdar. Weil er einer der ersten Menschen war, denen es gelang, mit selbst gebauten Flügeln zu fliegen, und wegen seines umfassenden Wissens ist er im Volk unter dem Beinamen „Hezarfen“ bekannt, was „tausend Wissenschaften“ bedeutet.

Hezarfen Ahmed Çelebi schuf eine einfache Form der heutigen Luftfahrzeuge und wurde zu einer wichtigen Gestalt der türkischen Luftfahrtgeschichte.276

Fazit

Das gemeinsame Merkmal der muslimischen Wissenschaftler, deren überaus wertvolle Arbeiten auf wissenschaftlichem Gebiet wir in diesem Kapitel behandelt haben, ist ihr Bemühen, die Belege für das unendliche Wissen unseres erhabenen Herrn zu erforschen und Seine Macht besser zu begreifen. Diese Wissenschaftler, von denen wir nur einen Teil erwähnen konnten, begnügten sich nicht nur mit wissenschaftlicher Arbeit; je mehr sie die Belege im Universum sahen, desto mehr wuchs ihre Gottesfurcht, und sie setzten ihre Bemühungen, den Menschen Gottes absolute Existenz nahezubringen, mit großem Eifer fort. Während die muslimischen Pioniere der Wissenschaft die großartigen Mechanismen nachwiesen, die unser erhabener Herr erschaffen hat, verfolgten sie zugleich das Ziel, auch die falschen Religionen zu beseitigen, die die Natur vergöttlichen (Gott ist darüber erhaben). Sie erforschten die Informationen in den Versen des Quran und nutzten die Wissenschaft auf die richtige Weise, um deren Geheimnisse zu entdecken. Indem sie sich daran ein Beispiel nahmen, dass der Quran der Wissenschaft den Weg zeigt, stellten sie die wissenschaftlichen Funde, die sie durch diese Forschungen gewannen, allen Menschen zur Verfügung. Die Führungsrolle der muslimischen Wissenschaftler sollte in unserer Zeit allen Muslimen ein Vorbild sein. Dies wird dazu beitragen, dass alle Menschen die Belege der Schöpfung unseres Herrn umfassend kennenlernen, und mit Gottes Erlaubnis zu positiven Fortschritten bei der Verbreitung der Moral der Religion führen.

Das gemeinsame Merkmal der muslimischen Wissenschaftler ist ihr Bemühen, das von Gott Erschaffene zu erforschen und den Menschen Seine unendliche Kraft, Macht und Sein unendliches Wissen nahezubringen.
Das gemeinsame Merkmal der muslimischen Wissenschaftler ist ihr Bemühen, das von Gott Erschaffene zu erforschen und den Menschen Seine unendliche Kraft, Macht und Sein unendliches Wissen nahezubringen.