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Ist der im Koran erwähnte Mescid-i Aksa die Moschee in Jerusalem?

In manchen atheistischen Foren und Diskussionsgruppen begegnet man von Zeit zu Zeit einer Behauptung, die auf falschen Informationen beruht. .Dieser Behauptung zufolge ist die im Koran in Sure Al-Isra, Vers 1 erwähnte Moschee Mescidi Aksa eine Gebetsstätte, die nach dem Zeitpunkt erbaut wurde, zu dem der Koran offenbart wurde. Daraus folgern sie die Behauptung, der Koran sei ein Text, der lange nach dem Tod des Propheten Muhammad geschrieben wurde.

Wie sieht es aber wirklich aus?.. Schauen wir uns das nun an.

Wenn wir uns die Wortaufschlüsselung des betreffenden Verses ansehen:

Subhânellezî esrâ bi abdihî leylen minel mescidil harâmi ilel mescidil aksallezî bâreknâ havlehu li nuriyehu min âyâtinâ, innehu huves semîul basîr(basîru).

  1. subhâne: er ist subhan, frei von allen Mängeln
  2. ellezî: der, welcher
  3. esrâ bi: ließ bei Nacht reisen
  4. abdi-hî: seinen Diener
  5. leylen: bei Nacht
  6. min el mescidi el harâmi: vom Mescid-i Haram
  7. ilâ el mescidi el aksa: zum Mescid-i Aksa/ zum entferntesten Niederwerfungsort
  8. ellezî: der, welcher, den
  9. bâreknâ: haben wir gut, gesegnet und segensreich gemacht
  10. havle-hu: seine Umgebung, sein Umfeld
  11. li nuriye-hu: damit wir ihm zeigen
  12. min âyâti-nâ: von unseren Versen
  13. inne-hu: wahrlich, er
  14. huve es semîu el basîru: er ist der am besten Hörende, der am besten Sehende

Bedeutung von Sure Al-Isra, Vers 1

Übersetzung von Edip Yüksel

Sehr erhaben ist, wer seinen Diener bei Nacht vom Heiligen Mescid (in Mekka) zum entferntesten Mescid (Niederwerfungsort), dessen Umgebung er gesegnet hat, mitnahm, um ihm einige unserer Verse zu zeigen. Er ist zweifellos der Hörende, der Sehende
Übersetzung von Mustafa Sağ

Der Höchste der Hohen, Allah, der große Macht besitzt, brachte, um seine Verse zu zeigen, die der Beweis seiner Macht jenseits aller Vorstellung sind, in einer Nacht seinen Diener/Muhammad von seinem Haus neben dem heiligen Mescid Kaaba zum Mescidi Aksa/zum entferntesten Punkt der Niederwerfung, dessen Umgebung er gesegnet hat.Zweifellos hört und sieht Allah alles.
Es gibt auch Übersetzungen, die unter dem Einfluss von Quellen außerhalb des Korans geschrieben wurden und die Bedeutung des im Vers als Mescid-i Aksa vorkommenden Wortes nicht als „Entferntester Niederwerfungsort / Entferntester Mescid“ nehmen, sondern es tatsächlich als die Moschee Mescidi Aksa oder als die Region Mescidi Aksa nehmen.

Diese Übersetzungen haben dieses im Vers vorkommende Wort nicht in seiner Bedeutung, sondern als Namen genommen. dabei ist das eine sehr falsche Methode. Das arabische Wort ‚AKSA‘ bedeutet fern. Genauso wie im Vers 3 der Sure Ar-Rum dem Wort ‚EDNA‘ die Bedeutung „NAH“ gegeben wird, wobei in diesem Vers wie im betreffenden Vers von jener Region die Rede ist. Auch dieses Wort muss nicht als Name, sondern in seiner Wortbedeutung bewertet werden.

Da man nicht in einem Vers dieselbe Region als nah bezeichnen und im anderen Vers einen Ort in dieser Region einen fernen Mescid nennen wird, spricht der Vers also nicht von Jerusalem und der Region, in der die Moschee Mescid-i Aksa steht.

Das bedeutet, dass die so übersetzten Übersetzungen auch nach ihrer eigenen Methode einen Fehler begehen. In einer nahen Region gibt es keinen fernen Mescid.

Also ist der in Sure Al-Isra, Vers 1 beschriebene Ort nicht Mescidiaksa (Jerusalem).

Der Gesandte, der zum Isra, also zur Nachtreise, mitgenommen wurde, wurde nicht nach Jerusalem gebracht, sondern ging auf materielle oder geistige Weise, wie der Koran sagt, zum entferntesten Ort der Niederwerfung und wurde dort Zeuge einiger Wunderbarkeiten. Genau das wird ja auch in Sure An-Najm, Vers 17 und 18 erzählt.

Sure An-Najm 17 und 18

مَا زَاغَ ٱلْبَصَرُ وَمَا طَغَىٰ لَقَدْ رَأَىٰ مِنْ ءَايَٰتِ رَبِّهِ ٱلْكُبْرَىٰٓ

Der Blick wich nicht ab und überschritt auch nicht die Grenze.
Er sah die großen Zeichen seines Herrn.

Also gibt es im Koran in diesem Sinne niemals einen Widerspruch oder historischen Fehler, wie manche Gegner des Korans behaupten…

Eine kurze historische Information;

Wir haben die Bedeutung des Wortes Mescid-i Aksa im Koran gesehen. Wie ist aber die Geschichte der Moschee Mescid-i Aksa, die sich derzeit in Jerusalem befindet? Und zu welchem Zweck wurde hier eine Moschee gebaut und ihr dieses im Koran vorkommende Wort als Name gegeben?

Die Antwort auf diese Frage wird uns eigentlich auch helfen, die Logik in den atheistischen Behauptungen zu verstehen. In den 90er Jahren der Hidschra ( 709-714 n. Chr. ) rief der umayyadischstämmige Abdulmelik bin Mervan gegen Abdullah bin Zübeyr, der in Medina Kalif war, als Alternative sein eigenes Kalifat aus. Damit seine eigenen Anhänger nicht zur Pilgerfahrt gingen und von diesem Muwahhid beeinflusst würden, ließ er in Jerusalem, wo er lebte, einen prunkvollen Mescid bauen, der auch den zuvor als Schwebender Stein bekannten Felsen einschloss. Er verbot den ihm unterstellten Menschen sogar, für die Pilgerfahrt nach Mekka und Medina zu gehen, richtete den in diesem Areal, das wir insgesamt als Mescid-i Aksa bezeichnen können, befindlichen Felsendom wie eine alternative Kaaba ein und befahl ihnen, ihn zu umschreiten.
Das heißt, der Bau einer Moschee namens Mescidi Aksa in Jerusalem ist ohnehin die Suche einer dem Urteil des Korans widersprechenden Geisteshaltung nach einer Alternative. Deshalb ist es von vornherein falsch, anhand eines Bauwerks, das lange nach dem Tod des Propheten Muhammad errichtet wurde, im Koran einen Widerspruch finden zu wollen…

Das im Koran vorkommende Wort Mescid-i Aksa, kann auch nicht als die jetzt dort stehende Moschee, sondern als ein Mescid in seinem alten Zustand in jener Region gedacht werden. Auch diese Alternative dürfen wir nicht aus den Augen lassen. Denn es gibt auch archäologische Informationen darüber, dass sich früher schon in der Nähe der Klagemauer eine Moschee Mescid-i Aksa befand.

Aber in beiden Bedeutungen ist es, ganz klar, dass es im Koran keinen Widerspruch und keinen historischen Fehler gibt.

Das Richtigste weiß Allah…